Ich saß an einem Samstagnachmittag mit Freunden in einem Café und wir haben das Leben genossen. Es kam kurz ein Freund dazu, der unterwegs war, um kurz „Hallo“ zu sagen. Nach einem kurzen Smalltalk, meinte er, er geht weiter, denn er wollte ein paar Sachen erledigen und dann sagte er dann noch: „Ich MUSS heute ins Büro, einen Auftrag fertigstellen.“ Wir verabschiedeten uns indem ich zu ihm sagte: „Du DARFST ins Büro.“ Er ging mit einem Grinsen davon.

Wir müssen im Leben gar nichts. Doch!! werden die Einen oder Anderen denken, atmen und sterben, arbeiten und Geld verdienen.

Wenn wir in unserem Sprachgebrauch diese zwei Worte öfters miteinander tauschen würden, wäre das Leben um ein Vielfaches einfacher. Wer sagt denn, dass mein Freund ins Büro muss? Außer er selber. Er muss das natürlich nicht. Der Kunde wird vielleicht abspringen, wenn er nicht rechtzeitig liefert, aber wirklich viel mehr wird da nicht passieren. Das Leben zwingt uns zu nichts, wir haben immer eine Wahl, deshalb leben wir in der Dualität. Es gibt immer zwei Seiten. Das Leben überlässt uns immer die Wahl. Wir dürfen das so langsam lernen. Es fühlt sich auch schwer an, wenn jemand zur Arbeit muss. Vielmehr sollten wir uns glücklich schätzen, dass wir zur Arbeit dürfen. Viele Menschen würden sich freuen, wenn sie zur Arbeit dürften. Es fühlt sich doch leichter an, zu sagen, ich darf für einen Kunden einen Auftrag fertigstellen, ausliefern und mich dann freuen, wenn der ausgemachte Preis auf dem Konto landet. Immerhin hat sich dieser Kunde für eine Zusammenarbeit entschieden und somit Vertrauen entgegengebracht. Wir sollten uns darüber freuen, dass dieser Kunde mit uns zusammenarbeiten will und wir somit für ihn arbeiten dürfen und nicht müssen. Er hätte sich für einen anderen entscheiden können oder wir hätten den Auftrag auch ablehnen können.

Es ist immer unser Ego, das uns suggeriert, du musst dies oder jenes. Wir haben irgendwann eine Art Pflichtbewusstsein entwickelt, das manchmal gegen unser Sein arbeitet. Wir haben in der Schule oder im Elternhaus gelernt, dass man dieses oder jenes muss.

Jetzt dürfen wir lernen, aus unserem Sein zu entscheiden. Möchte ich das machen? Oder möchte ich das nicht? Obwohl wir oft wissen, was wir wollen und was nicht, machen wir trotzdem viele Sachen, die wir nicht möchten und diese werden somit zu einem MUSS. Es ist von Vorteil, zu sich zu stehen, die Größe zu haben und mal „Nein“ zu sagen. Es ist klar, dass es uns leichter fällt den Menschen ein „Nein“ zu geben, die uns nicht so sehr berühren. Mit der Familie wird es natürlich etwas schwieriger, aber da steckt auch der größere Lerneffekt dahinter. Werde ich geliebt, weil ich bin, wie ich bin? Oder werde ich geliebt, weil ich dies und das mache und mich dabei verbiege? Sobald wir das erkannt haben, kann dieses MUSS ganz schnell verschwinden. Gerade in einer Liebesbeziehung ist es doch schön zu wissen, ob wir etwas DÜRFEN oder MÜSSEN. Zu wissen, dass wir in der Beziehung nicht alles zusammen machen MÜSSEN. Dass jeder in der Beziehung seine Freiräume haben darf, ohne dass der PartnerIn sauer oder beleidigt ist oder sich sogar alleine gelassen fühlt.

Wenn wir etwas tun, das wir nicht wollen, respektieren wir uns dann wirklich? Auch das dürfen wir wieder lernen, nämlich uns selbst zu RESPEKTIEREN. Es steht außer Frage, dass wir manchmal Dinge machen, um unseren Lieben eine Freude zu bereiten oder Hilfestellung zu geben. Wir sollten aber dabei trotzdem auf unsere „Schmerzgrenze“ achten, ab wann wird es zu einem MUSS? Dürfen wir entscheiden, ob wir das wollen oder wird es von uns bereits erwartet?

Es kommt aus unserer inneren Haltung heraus, ob wir etwas müssen oder dürfen. Nur wir entscheiden, ob es ein MUSS gibt oder nicht.

Mediationen im Mai:

Dienstag 9./16./23./30.

jeweils um 19 Uhr, in der Gartenstraße 40, 73033 Göppingen

Anmeldung: hier oder 0151/15552996