„Er liebt mich, er liebt mich nicht.“

Wie wäre es mit? „Ich liebe mich.“ Ob er mich dann liebt oder mich nicht liebt, ist dann nicht mehr wichtig.

Wie oft habe ich schon die Frage gestellt: „Liebst du dich?“ So gut wie niemand kann aus vollem Herzen ein klares „Ja“ als Antwort geben. Eher mal ein „Nein“ aus vollen Herzen. Ein zögerliches „Ja“, das dann zu „Jain“ wird, welches gleichbedeutend ist mit einem „Nein“.

Aus welchem Grund fällt es uns so schwer diese Frage zu beantworten, die mit einem klaren „Ja“ beantwortet werden sollte?

Viele Menschen sagen, dass wenn sie sich selbst lieben, sie ein schlechtes Gefühl haben, sie fühlen sich egoistisch und unsozial. Man muss doch für andere da sein, zur Verfügung stehen. Ihnen wurde beigebracht, dass wenn sie an sich denken, sie eben Egoisten sind. Manche Menschen opfern sich förmlich für ihre Mitmenschen auf und merken das nicht mal. Sie verbiegen sich, lassen sich verbiegen und wenn sie nicht ganz so parieren, wie es ihr Gegenüber möchte, gibt es auch noch Ärger. Es mag ihnen viel Kraft, viel Überwindung und viel Aufwand kosten, aber sie können keine Bitte ausschlagen, weil, ich muss ja helfen. Wen willst du denn irgendwann helfen, wenn du ausgelaugt bist und kurz vor einem Zusammenbruch stehst? Du kannst nur dein Gegenüber zur Seite stehen, wenn es dir selber gut geht. Deswegen heißt es ja im Flugzeug, wenn die Atemmaske runter kommt: „Legen sie sich zuerst die Atemmaske an und helfen sie dann gegebenenfalls ihren Sitznachbar.“ Oder so ähnlich ;-).

Ich behaupte ja nicht, man soll nie helfen. Ich sage, man soll helfen, so lange es sich gut anfühlt und man es aus ganzen Herzen tut, am besten ohne Erwartung. Was erwarten die Menschen wenn sie helfen? Sie erwarten gemocht oder sogar geliebt zu werden. Genau, Liebe, wir erwarten ganz tief in uns Liebe. Ich rede nicht von körperlicher Liebe, sondern von Zuneigung, Aufmerksamkeit, Beachtung, all diese Dinge, die wir uns selber nicht zugestehen. Es ist ein Programm, das uns anerzogen wurde. Das Programm der „Leistungsliebe“. „Wenn du dein Zimmer aufräumst, dann bist du ein lieber Sohn, wenn du gute Noten schreibst, bist du liebenswert“. Wer kennt nicht solche Sätze? Wem solche Sätze völlig fremd sind, der ist wirklich gesegnet.

Es wird Zeit, dass wir beginnen uns selbst zu lieben. Auf eine liebevolle und gesunde Art. Ohne unseren Gegenüber zu verletzen und ohne gierig zu sein. Einfach nur zu uns stehen. Zu unseren Gefühlen und unseren Bedürfnissen. Das beginnt schon damit, dass wir eine Entscheidung treffen, egal in welcher Situation, diese Entscheidung auch durchsetzen. Vor dieser Entscheidung müssen uns fragen: „Will ich das wirklich? Oder, will ich das nicht?“ Sollte unser Gegenüber nicht mit unserer Entscheidung einverstanden sein, ist es seine nicht gelebte Selbstliebe. Wenn wir beim Anderen etwas nicht akzeptieren, akzeptieren wir es auch nicht in uns.

Nimm dich so an wie du bist. Liebe dich, für, was oder wer du bist. Kopiere niemand, denn damit entfernst du dich von dir. Nimm alle Facetten von dir wahr und integriere sie in dir. Du darfst lernen deine positiven Anteile anzunehmen, wie auch die weniger positiven Anteile. Alles von dir will angeschaut werden. Es ist oftmals eine heilsame Erfahrung, wenn wir uns die dunkleren Flecken in uns anschauen. Logisch, es fällt uns schwer, denn wir wollen ja gut dastehen. Nur, wenn wir diese Augenblicke des „böse und ekelhaft“ sein fühlen und zulassen, können wir sie integrieren. Es ist auch mal ok ein „Arsch“ zu sein. Stehe zu diesem Anteil in dir. Wir haben nur oftmals Angst vor dem Unbekannten in uns, deshalb ist es von enormer Wichtigkeit alles zuzulassen, was zu uns gehört. Wenn wir diese Persönlichkeit integriert haben, wird sie nach und nach verschwinden, weil wir keine Angst mehr vor ihr haben.

Eine gute Übung dafür entsteht in der Meditation. Wir dürfen beim Meditieren alle Gedanken anschauen, die da hochkommen. Alles, was da so kommt gehört zu uns. Das Gute, wie das weniger Gute. Nachdem wir das angeschaut haben, dürfen wir das alles dann liebevoll loslassen.

Bei der Selbstliebe geht es nicht darum mit der Axt in der Hand herumzulaufen und alles was dir nicht passt klein zu schlagen. Bei der Selbstliebe darfst du lernen dich so zu nehmen, wie du bist, mit allen Ecken und Kanten und auch mit deiner liebenswerten Art. Dann wird ein Sog entstehen und den anderen Menschen wird es schwer fallen dich nicht zu lieben, ohne dass du dafür etwas leisten musst. Sie werden dich lieben, weil du bist.